Ratsgymnasium Münster | Bohlweg 7 | 48147 Münster | Tel.: 0251/399040 | Fax : 0251/3990449 | ratsgymnasium@stadt-muenster.de

Das Fach Geschichte

geschichte

Warum sollte man eigentlich "Geschichte" lernen??

  • Die Inhalte sind nicht up to date.
  • Es ist wirtschaftlich nicht direkt und lukrativ verwertbar.
  • Es ist komplex und schwierig.
  • Man bekommt nicht so schnell die besten Noten.
  • Man muss viel lesen, viel recherchieren, viel denken.

Und es ist doch eigentlich unwichtig, aber....

kein Fach

  • sagt soviel aus über die Vielschichtigkeit von Gesellschaften, ihre Kultur, ihre Arbeitsformen, ihre politischen Systeme, ihre Denkweisen und ihre Ideologie, ihr Alltagsleben, ihr Verhältnis zur Natur, ihre Kenntnisse.
  • öffnet so die Augen für längst vergangene Zeiten, versunkene Kulturen, antike Schätze, fast verschollenes Wissen.
  • enthält so viele verschiedenartige Quellen: Steine und Knochen, Sagen und Legenden, Werkzeuge und Waffen, Reden und Briefe, Bilder und Bauwerke, Gesetze und Verträge, Annalen und Chroniken der Geschichte.
  • erzeugt soviel Verständnis für und Respekt vor anderen Wertvorstellungen und Menschen.

Geschichte kennen macht unbequem - vor allem für die, die eigenständiges Denken nicht wollen. Wie sagte vor kurzem ein Professor der juristischen Fakltät in Münster seinen Studenten: "Wenn ihr Geschichte nicht macht, habt ihr schon aufgehört zu denken."

So halten wir es in unserem Unterricht !!

Zeitzeugen in der eigenen Familie, die äußerst spannende Dinge zu berichten haben - das erlebte der Zusatzkurs Geschichte der Q2, als er auf Anregung einer Schülerin ihren Großvater einlud. Herr B. kam nach dem Mauerbau in den Sechziger Jahren – also mitten im Kalten Krieg - nach West-Berlin, um an der Freien Universität zu studieren. Er lernte eine studentische Fluchthilfe-Organisation kennen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, in umgebauten Autos Menschen aus der DDR zu schmuggeln.

Auch in diesem Jahr machte sich eine 9. Klasse auf den Weg, um die Stolpersteine im Umfeld der Schule zu putzen und an die Schicksale der ermordeten Menschen zu denken. Die Schülerinnen und Schüler der 9c hatten die Biografien der Opfer vorbereitet. Besonders eindrücklich war das Schicksal von Wilhelm D., dessen Stolperstein vor dem Landesarchiv NRW am Bohlweg verlegt ist.
Wilhelm D. galt als "Geisteskranker" und damit als "lebensunwert". Er wurde aus dem Krankenhaus Marienthal (heute LWL-Klinik am Wienburgpark) in die"Heilanstalt Eichberg" verlegt und dort ermordet. Seinen Angehörigen wurde "Herzversagen" als Todesursache mitgeteilt.

Schachfiguren aus alten Mandarinenschalen basteln und gegen sich selber Schach spielen, die Klassiker der Weltliteratur lesen – damit versuchte sich der Münsteraner Student Burkhard Seeberg zu beschäftigen, als er 1979 in der DDR zu drei Jahren Haft verurteilt wurde und zunächst isoliert in einer Einzelzelle untergebracht war.
Sein "Verbrechen": Er hatte versucht, seine Rostocker Freundin in den Westen zu bringen.
Sehr anschaulich berichtete der Zeitzeuge Burkhard Seeberg vor den Schülerinnen und Schülern des Zusatzkurses Geschichte in der Oberstufe über das Leben in der DDR und seine Erfahrungen als politischer Häftling in Berlin-Hohenschönhausen.
Derselbe Staat, der Fluchthelfer wegen "Menschenhandels" verurteilte, ließ politische Gefangene gegen viel Geld von der BRD "freikaufen", so auch Herrn Seeberg nach 13 Monaten Haft.
Die DDR war ein Unrechtsstaat, der seine eigene Bevölkerung akribisch überwachte, bespitzelte und kontrollierte. Daran zu erinnern, war Herrn Seeberg ein Anliegen.
Das Ratsgymnaium dankt dem Zeitzeugenbüro der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, das den Besuch möglich gemacht hat.

Wie durch ein Wunder überlebte der gebürtige Ungar Leslie Schwartz nicht nur die Konzentrationslager Auschwitz und Dachau, sondern auch die letzten Kriegstage im "Mühldorfer Todeszug" in Bayern, bevor er von den Amerikanern befreit wurde.
Leslie Schwartz, der heute in New York und in Münster lebt, erzählte den Schülerinnen und Schülern des Ratsgymnasiums von seinem Kampf um das Überleben. Als einziger seiner Familie überlebte er den Holocaust.
Trotz der schrecklichen Erlebnisse ist es ihm heute ein Anliegen, den Hass weltweit zu überwinden und die Menschen zur Versöhnung und zum friedlichen Zusammenleben aufzurufen: "Hass überwinden wir allein durch Liebe".
So wie er damals im Krieg von drei Deutschen Hilfe erfahren habe, so könnten auch heute kleine Gesten der Nächstenliebe eine große Wirkung entfalten – beispielsweise im Umgang mit Flüchtlingen.