Ratsgymnasium Münster - Pfarrer Dr. Jens Dechow erwartet am Sonntag Hunderttausende Zuschauer

Ratsgymnasium Münster | Bohlweg 7 | 48147 Münster | Tel.: 0251/399040 | Fax : 0251/3990449 | ratsgymnasium@stadt-muenster.de

Willkommen auf der Homepage des Ratsgymnasiums Münster

Münster - Dr. Jens Dechow, Schulpfarrer des Evangelischen Kirchenkreises Münster, hat am Sonntag ein großes Publikum. Er hält in der Bürgerhalle des Rathauses den Fernsehgottesdienst des ZDF zum Thema Frieden. Geschätzt 700 000 Zuschauer werden ihm dann zusehen.
Viele Schülerinnen und Schüler in Münster kennen Dr. Jens Dechow aus dem Unterricht. Er ist Schulpfarrer des evangelischen Kirchenkreises Münster. Am Sonntag werden aber sehr viele Menschen mehr den Münsteraner kennenlernen. Dechow hält gemeinsam mit der Präses der Evangelischen Landeskirche, Annette Kurschus, den Fernseh-Gottesdienst, den das ZDF live ab 9.30 Uhr aus dem Friedenssaal überträgt. Mit WN-Redakteurin Karin Völker unterhielt sich Dechow über seinen Auftritt vor ganz großem Publikum.


Das ZDF rechnet mit rund 700 000 Zuschauern beim Fernsehgottesdienst. Haben Sie schon Lampenfieber?
Dechow: Ehrlich gesagt, ich bin bisher noch gar nicht dazu gekommen, nervös zu werden. Ich habe selbst nicht geglaubt, wie viel Organisation mit so einem Fernsehereignis verbunden ist. Außerdem weiß ich ja schon sehr lange, dass ich den Gottesdienst halten werde.
Wie ist die Wahl auf Sie gefallen?
Dechow: Ich weiß nur so viel: Vor etwa eineinhalb Jahren meldete sich bei mir Elke Rudloff, die Senderbeauftragte für ZDF-Gottesdienste. Sie hatte die Idee mit dem Friedenssaal. Ich bin wahrscheinlich gebeten worden, weil ich schon lange in der Friedensarbeit im Kirchenkreis und in Münster aktiv bin.
Haben Sie spontan zugesagt?
Dechow: Nein, ich habe erst mal überlegt, ob ich so etwas kann und ob ich das überhaupt will. Ich bin dann zu dem Ergebnis gekommen, dass in dem Gottesdienst eine große Chance liegt. Einmal für Frieden und Versöhnung zu wirken, aber auch, um Münster als Friedensstadt noch bekannter zu machen.
Der Friedenssaal ist keine Kirche. Wie kommt es zu der Idee, hier einen Gottesdienst stattfinden zu lassen?
Dechow: Im Rahmen der Reformations-Dekade zum Luther-Jahr 2017 geht es in diesem Jahr um das Thema "Reformation und Toleranz". Und dafür ist der Friedenssaal als Stätte, wo nach 30 Jahren ein blutiger Konfessionskrieg durch Verhandlungen beendet wurde, ein sehr symbolträchtiger Ort. Der Gottesdienst findet in der Bürgerhalle statt, ein spannender Ort: Sie ist schon seit dem Mittelalter ein Ort der Bürgerversammlung und stellt das Eingangsportal zum Friedenssaal dar. Sehen die TV-Zuschauer also gar nicht den Friedenssaal?
Dechow: Doch. Im Fernsehen wird vorab eine Passage gezeigt, in der die Präses der Evangelischen Landeskirche, Anette Kurschus, und ich im Friedenssaal zu sehen sind. Von dort begrüßen wir die Zuschauer. Außerdem werden Aufnahmen vom historischen Rathaus ausgestrahlt. Der Gottesdienst selbst ist ausschließlich in der Bürgerhalle, im Friedenssaal war die Übertragung schon aus Denkmalschutz-Gründen nicht möglich. In der Bürgerhalle können immerhin knapp 100 Zuschauer live dabei sein.
Spontan kann vermutlich niemand mehr dazukommen?
Dechow: Das wird leider nicht möglich sein. Wir haben vor vielen Wochen öffentlich Interessierte gebeten, sich zu melden. Die Plätze waren sehr schnell vergeben. Aber jeder kann ja als Fernsehzuschauer den Gottesdienst verfolgen.
Wird die Bürgerhalle für den Gottesdienst in einen sakralen Raum verwandelt?
Dechow: Nein, das ist nicht nötig. Die Bürgerhalle ist ein idealer Platz, um die christliche Botschaft von Frieden und Versöhnung zu verkünden. Wir machen durch den Übertragungsort hier deutlich: Frieden hat eine Adresse. Es gibt einen Ort, wo Frieden entstehen kann, wenn Menschen den Willen dazu haben und sich einander zuhören. Das Rathaus des Westfälischen Friedens zeigt auch heute: Frieden ist möglich. Das ist aktuell nach wie vor eine sehr aktuelle Botschaft. Wir müssen nur nach Syrien schauen.
Werden wir trotzdem einen traditionellen evangelischen Gottesdienst erleben? Dechow: Ganz traditionell wird es nicht werden, denn der Raum gibt uns ja gerade die Möglichkeit, hier andere Formen einzubauen. Natürlich bleibt die Feier trotzdem ein Gottesdienst mit Predigt, die ja Annette Kurschus hält, und liturgischen Elementen.
Steht bei so einem Fernsehgottesdienst eigentlich vorher jedes Wort oder haben Sie noch die Chance, spontan zu agieren?
Dechow: Es ist alles schon sehr minutiös geplant, und sowohl die Gestaltung des Gottesdienstes als auch der Inhalt sind abgesprochen. Die Vorbereitungszeit war wirklich lang. Aber so sind wir jetzt auch sehr gut präpariert. Trotzdem passieren immer noch unvorhergesehene Dinge.
Die Bundestagswahl kommt ja nicht überraschend ...
Dechow: Nein, der Termin für unseren Gottesdienst stand aber schon länger fest, als der für die Wahl. Die Stadt weicht mit ihrer Wahlergebnis-Präsentation ja ins Stadtweinhaus aus. Unvorhergesehen für uns war eher, dass ausgerechnet jetzt das Rathaus an den Seiten und von hinten eingerüstet wurde. Damit steht das ZDF-Team natürlich vor einer erschwerten Herausforderung, das historische Rathaus von seiner schönsten Seite zu zeigen."


WN online 22.09.2013