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Münster - Die Handballen in der Mitte des Brustkorbs übereinander legen, die Arme durchstrecken – und dann drücken, drücken, drücken. 100 mal pro Minute. So einfach kann es sein, ein Leben zu retten. 11 840 Schüler knien am Dienstagvormittag auf dem Schlossplatz vor ihren Übungspuppen und pressen zum Rhythmus von 100 Beats pro Minute, den im Hintergrund ein Schlagzeug vorgab. Damit ist der Rekord geknackt: Noch nie haben so viele Schüler irgendwo auf der Welt gleichzeitig Reanimationstraining bekommen.

 

Von Sandra Peter

Rote Luftballons steigen in den blauen Himmel, die Schüler jubeln. Der Eintrag ins Guinness-Buch ist damit sicher, doch viel wichtiger ist noch: Fast 12 000 Schüler wissen jetzt, wie man einen Menschen im Notfall – bei einem Herzstillstand – wiederbelebt. Einen solchen erleiden im Jahr allein in Münster rund 200 Menschen.

Die Formel für Lebensretter ist kinderleicht: „Prüfen, rufen, drücken“, erklären die UKM-Ärzte Prof. Dr. Hugo Van Aken, Initiator der Aktion, und Dr. Peter Brinkrolf. Prüfen heißt zu kontrollieren, ob ein bewusstloser Mensch ansprechbar ist und atmet. Rufen bedeutet, Umstehende und vor allem einen Arzt unter der Nummer 112 zu alarmieren. Und drücken heißt, mit der lebensrettenden Herzmassage zu beginnen, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Doch eben das machen viel zu wenig Menschen in Deutschland, sagt Dr. Peter Brinkrolf: „Bloß in zwei von zehn Fällen hat jemand bereits mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen“, berichtet er den versammelten Schülern. In den Niederlanden sei das immerhin in 60 Prozent der Fälle der Fall. Für Prof. Van Aken ist klar, wie man das ändern könnte: „Wiederbelebungstraining sollte unbedingt in Schule und Unterricht integriert werden.“ NRW beabsichtigt als erstes Bundesland die Basismaßnahmen zur Wiederbelebung in einem Erlass aufzunehmen.

Fest genug zuzudrücken, findet die neunjährige Carolin anfangs schwierig. Sie muss so kräftig drücken, bis die Puppe knackt – wäre diese ein Mensch, könnten dabei sogar Knochen brechen. Doch das ist nicht schlimm, hat Dr. Brinkrolf den Schülern vorher versichert: „Knochen können heilen – Zellen, die bei einem Herzstillstand nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden, nicht.“

„Ich finde die Aktion gut, weil ich jetzt im Notfall weiß, wie ich helfen kann“, sagt Carolin, die wie Tausende anderer Schüler um sie herum das gelbe T-Shirt mit dem Logo der Aktion übergezogen hat – „Münster, Stadt der Herzen“ steht darauf. Jetzt kommt es darauf an, sich im Ernstfall zu trauen, das Erlernte anzuwenden: „Ich weiß nicht, ob ich das gut hinbekomme“, sagt Carolin, „aber helfen würde ich jetzt auf jeden Fall.“